Paprika erfolgreich kultivieren
Paprika und Chili sind die Nachtschattengewächse, die mitunter den höchsten Anspruch an den Anbau stellen und auch betriebswirtschaftlich häufig eine große Herausforderung sind. Damit Paprika sich wohlfühlt und einen guten Ertrag bringt, gibt es einige wesentliche Punkte zu beachten. Wenn dann noch die Witterung mitspielt, steht einer erfolgreichen Kultur nichts mehr im Weg.
Anzucht
Für die Anzucht sollten etwa 50 bis 70 Tage (je nach Sorte und Anbaubedingungen) eingeplant werden. Paprika ist sehr wärmebedürftig. Gerade in der Anzucht sollte es deshalb schön warm sein. Empfohlene Temperaturen sind: Keimphase 26 bis 28 °C (ca. 4 bis 5 Tage), dann kann die Temperatur in einer Woche langsam auf 24 bis 25 °C und nach dem Pikieren dann auf 20 bis 22 °C gesenkt werden.
Etwa drei Wochen nach der Aussaat werden die Paprika im Keimblattstadium pikiert. Sie dürfen dabei etwas tiefer als vorher gesetzt werden, gerne bis zu den Keimblättern, damit sich möglichst viele Seitenwurzeln bilden. Dies erhöht einerseits die Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit, andererseits stabilisiert es die Pflanzen.
Das Substrat sollte für Paprika nicht zu dicht gepresst sein und immer genügend Luft führen, also nur mäßig feucht halten. Eine Zusatzbeleuchtung wirkt sich gerade bei früher Anzucht positiv auf die Pflanzenentwicklung aus.
Standort, Boden und Düngung
Paprika benötigt tiefgründige, humose, mittelschwere Böden. Der Boden sollte sich schnell erwärmen und nicht zur Staunässe neigen. Je nach Bodenzustand macht eine vorhergehende Tiefenlockerung (mit oder ohne Gründüngung) Sinn. Paprika kann 60 bis 80 cm tief wurzeln.
Die Düngung sollte kalibetont sein. Je nach Bodengehalten ist eine Düngung mit reifem Kompost sowie N- und K- betonten Düngemitteln sinnvoll. Für einen Ertrag von 10 kg/m² werden mit folgenden Werten gerechnet: 180 kg N, 50 kg P2O5, 420 kg K2O, 50 kg MgO. Paprika ist salzempfindlich und wird bei zu hoher Düngung auch zu vegetativ. Es empfiehlt sich deshalb mit einer Grunddüngung sowie mehreren Nachdüngungen zu arbeiten.
Zur Pflanzung sollte der Boden bereits erwärmt sein. Bei über 20 °C Bodentemperatur wachsen die Pflanzen kontinuierlich weiter. Wenn der Paprika in zu kühlen Boden gepflanzt wird, stockt das Wachstum.
Im Gewächshaus sollten für ein zügiges Anwachsen die Temperatursollwerte Tag/Nacht/Lüftung von 22/18/24 °C eingehalten werden. Im Laufe der Kultur können sie auf 18- 20/16/20- 22 °C abgesenkt werden, ab Ertragsbeginn auf 15- 18/ 16-14/ 16- 20 °C.
Im Freiland ist es sinnvoll, auf die nötige Bodentemperatur und eine sonnige Wetterperiode zu warten. Auch eine dunkle Mulchauflage steigert die Bodentemperatur und fördert somit das Paprikawachstum.
Erziehungssysteme
Für Paprika gibt es je nach Sorte, Anbauzeitraum und gärtnerischen Vorlieben drei gängige Erziehungssysteme:
- das Französische System
- die Kultur im horizontalen Netz (Chrysanthemen-Netz)
- eine Schnurerziehung
In den meisten Betrieben wird mittlerweile im französischen System erzogen, da es arbeitswirtschaftliche und pflanzenbauliche Vorteile gut zusammenbringt. Hierbei werden jeweils für eine Reihe Pfosten im Abstand von 5 bis 6 m gesetzt und dann jeweils links und rechts Schnüre entlang der Pflanzen quasi als Spalier gespannt. Damit die Schnüre gut beeinanderbleiben, können sie in der Mitte geclipst oder mit einem speziellen Schnurhalter fixiert werden. Im Französischen System wird im geschützten Anbau meist mit Bestandsdichten von 2,5 bis 3 Pflanzen je m² gearbeitet. Für Doppelreihen wird dann meist 50 x 50 x 100 cm gepflanzt.
Für dieses Erziehungssystem eignen sich neben klassischen Sorten auch gut etwas höher wachsende Sorten, wie Pantos, Corno Rosso, Lady Lou, Corno Giallo, Zazu, Kyra und auch Padron.
Bei niedriger wachsenden Sorten kann auch das das Erziehungssystem des horizontalen Netzes interessant sein, hier eignen sich z. B. die Sorten Yolo Wonder, Alfonsina, Yellow California Wonder, Chocobell und auch Liebesapfel.
Damit sich bei Paprika eine schöne und kräftige Pflanze entwickelt, wird zu Beginn der Kultur mindestens die Königsblüte entfernt. Je nach Zustand der Pflanzen (eher klein oder groß) empfiehlt es sich aber auch mehrere Blüten (3 bis 5) zu entfernen. Es sollte sich vor dem Fruchtansatz eine schöne kräftige und stabile Pflanze entwickelt haben.
Pflege und Erziehung
Die Anzahl der Haupttriebe wird meist auf drei begrenzt. Im Französischen System ist man nach Ausbrechen der Blüten und Begrenzung der Haupttriebe auf drei mit der Erziehung fertig. Im Schnursystem werden die Pflanzen meist zweitriebig gezogen und fortlaufend gewickelt und erzogen. Diese besonders arbeitsintensive Erziehung ist für lange Kulturzeiten im beheizten Gewächshaus sowie wüchsige Sorten geeignet. Es sollte auf ausreichend Schattierung geachtet werden, um Sonnenbrand an den Früchten vorzubeugen. Aus unserem Sortiment eignen sich wenige Sorte für diese Intensiv-Kultur, Corno Rosso wird auf einigen Betrieben in dieser Art angebaut.
Anbau im Freiland
In den letzten Jahren wurden die Snack Paprika im Freilandanbau für Betriebe immer interessanter, v.a. da sie einen geringen Pflegeaufwand haben.
Die orange, dickfleischige Sorte Flynn und der gelbe, dünnerfleischige Paprika Radja sind klassische Snackpaprika von 7-8 cm Länge. Die rote Sorte Fritz hat mit 10-12 cm Längendurchschnitt eine etwas größer fallenden Frucht. Auch die Sorten Ferenc Tender und Pusztagold sind gut fürs Freiland geeignet. Sie sind früh bis mittelfrüh reifend und können auch gut im noch nicht ausgereiften, helleren Zustand geerntet und verzehrt werden. Seit diesem Jahr haben wir zudem die Sorte Resi im Angebot, ein rotreifender Bullhorn-Typ mit reichlich Fruchtansatz.
Alle diese Sorten sind standfest und benötigen im Regelfall keine Stütze, ein Anhäufeln und Mulchen trägt zusätzlich zu einer guten Standfestigkeit bei. Bei sehr windoffenen Lagen mit scharfen Böen oder auch in einigen Selbsternte-Gärten empfehlen wird das Französische System jedoch auch im Freiland.
Die Bewässerung sollte gleichmäßig und möglichst flächig erfolgen. An sehr sonnigen Tagen kann auch von oben bewässert werden. Die Pflanzen sollten aber trocken in die Nacht gehen. Im Freiland wird meist etwas enger gepflanzt (3 bis 4 Pflanzen je m²), da die Pflanzen hier nicht so wüchsig sind.
Pflanzengesundheit
Paprika kann leider eine Reihe von Krankheiten bekommen und ist auch bei vielen Tieren recht beliebt. Damit die Wurzeln gesund bleiben, ist ein lockerer und strukturstabiler, nicht zu nasser und schön erwärmter Boden wichtig.
Folgender vorbeugender Nützlingseinsatz im Gewächshaus hat sich bewährt: offene Zucht mit Blattlausgegenspielern oder regelmäßiger Einsatz von Schlupfwespen gegen Blattläuse (z. B. Aphidius colemani), Raubmilben (Amblyseius) gegen Thripse, Spinnmilben und Weichhautmilben sowie Trichogramma gegen Raupen (insbesondere Maiszünsler). Betriebe, in denen Weiße Fliegen auftreten, sollten vorbeugend noch Encarsia-Schlupfwespen einsetzen.
Sonnenbrand ist im Sommer ein großes Thema in der Paprikakultur. Gewächshäuser sollten deshalb schattiert werden. Auch eine nicht zu strenge Erziehung und ausreichend Blattmasse sind von Vorteil. Nicht einfach vom Sonnenbrand abzugrenzen ist die Blütenendfäule (lokaler Calciummangel), die bei zu knapper und ungleichmäßiger Bewässerung oder durch ein Überangebot von Magnesium auftreten kann.
Je nach Witterung können noch pilzliche und bakterielle Krankheiten auftreten. Auch Virosen sind bei Paprika keine Seltenheit.
Ernte und Lagerung
Je nach Sorte und Witterung rechnet man ab Pflanzung 6 bis 14 Wochen bis zur Ernte. Um die Pflanzen zu entlasten und auch eine gleichmäßigere Ernte zu bekommen, wird oft als erstes ein- bis zweimal eine Grünernte durchgeführt. Hier werden dann einige Früchte bei zu starkem Behang grün geerntet. Von der Grünreife bis zur Vollreife kann man als grobe Faustzahl mit ca. drei Wochen rechnen.
Geerntet wird in der Regel einmal wöchentlich mit der Schere oder dem Messer.
Eine Lagerung sollte bei etwa 7 bis 10 °C erfolgen. Grüne Paprika können etwas länger als Vollreife gelagert werden. Paprika ist sehr ethylenempfindlich.





