Nützlingsförderung im Kohlanbau mit der Hannover-Mischung

Die Hannover-Mischung wurde an der Uni Hannover für die offene Nützlingszucht im Kohlanbau entwickelt. Diese Pflanzenzusammensetzung fördert und vermehrt die Gegenspieler der Kohlschädlinge. Da die geförderten Nützlinge ein breites Wirtsspektrum haben, können sie aber auch über die Familie der Kreuzblütler hinaus in vielen weiteren Gemüsekulturen wertvolle Dienste leisten.

Habitat für Gegenspieler

Die Hannover-Mischung bietet Nahrungsquelle, Unterschlupf und Vermehrungsort insbesondere für Schwebfliegen und Schlupfwespen. Diese gehören zu den wichtigsten natürlichen Gegenspielern verschiedener Kohlschädlinge wie der Mehligen Kohlblattlaus, der Kohlmottenschildlaus oder der Kohleule.

Durch das frühe Nahrungsangebot können sich zunächst Blattläuse entwickeln, die wiederum als Nahrung für deren Feinde dienen. Dadurch werden Nützlinge wie Marienkäfer oder Schlupfwespen frühzeitig gefördert. Kommt es später zu einem Befall der Kohlpflanzen mit Blattläusen, sind die Nützlinge bereits im Bestand vorhanden und können größere Schäden verhindern.

Je nach Aussaattermin beginnt die Blüte etwa Mitte Juni und kann bis Ende November andauern, so dass über einen langen Zeitraum Nahrungsressourcen für Nützlinge bereitgestellt werden.

Bestandteile der Hannover-Mischung

Buchweizen­ (21­ %), Dill ­(13 ­%), Öllein ­(12­ %), Ringelblumen ­(8 ­%), Phazelie ­(8­ %), Persischer­ Klee­ (10­%), Kornblume­ (10­ %), Koriander­ (8­ %), Steinkraut (10 %)

So funktioniert der Anbau

Standort

Geeignet sind die meisten für den Gemüsebau tauglichen Standorte. Lediglich staunasse, sehr schwere oder verdichtete Böden oder Standorte mit einem hohen Druck von Wurzelunkräutern sollten gemieden werden.

 

Anlage

  • Bewährt haben sich 1,5 – 3 m breite Streifen, die zwischen den Kohlbeeten etabliert werden und sich ca. alle 20 m wiederholen. 
  • Um die Nützlinge möglichst weit in den Kohl hinein zu locken, können einzelne so genannte Trittsteinpflanzen in den Kohlbestand gepflanzt werden. Hierfür sind zum Beispiel die Kornblume (B145) oder auch Lobularia (Steinkraut B645) sehr gut geeignet.
  • Wenn möglich, zum Überwintern der Nützlinge die Anlage so planen, dass die Mischung bis ins nächste Jahr stehen bleiben kann.

Beetvorbereitung

Bei hohem Beikrautdruck mehrmaliges, oberflächiges Bearbeiten, um möglichst wenig Konkurrenz für die sich teils langsam entwickelnden Mischungspartner zu erreichen. Das Saatbeet sollte mittelfein und mindestens drei Wochen lang abgesetzt sein.

 

Aussaat

  • Je nach Region von Mitte April bis Mitte Mai, Saatgutbedarf ca. 1 g/m², Aussaattiefe ca. 1 cm, breitflächig oder in Reihen.
  • Aussaat von Hand oder maschinell. Für gleichmäßigeren Aufgang ist Anwalzen empfohlen.

 

Pflegeschnitt (optional)

  • Um die schwächer wüchsigen Komponenten zu fördern, kann ein Pflegeschnitt zwischen Juli und September (Zeit nach dem Abblühen der hohen Komponenten wählen, abhängig davon wie sich die Mischung und die einzelnen Arten entwickelt haben)
  • Sollte zum Schnitt schon ein hoher Bestand etabliert sein, dann ist es wichtig die abgemähte Biomasse abzutransportieren, um einen starken und gesunden Wiederaustrieb zu ermöglichen. 
  • Für den Schnitt am besten bedeckte Tage oder die Abendstunden wählen, damit nicht zu viele Insekten fliegen und gestört werden.