Blühstreifen & Nützlingsförderung
Artenreiche Blühmischungen schaffen von Mai bis Oktober ein kontinuierliches Blütenangebot. Hier entstehen Nahrungsangebote für Blütenbesucher wie Bienen, Schwebfliegen, Falter und Co. Es werden Nützlinge gefördert, Lebensraum für diverse Wildtiere geschaffen, vorhandene Biotope vernetzt und Vielfalt und Schönheit in die oft ausgeräumte Landschaft gebracht.
Nützlinge – Biologie und Arten
Als Nützlinge werden Arten bezeichnet, die sogenannte Schädlinge fressen oder parasitieren. Jeder Nützling hat dabei seine eigenen Ansprüche an den Lebensraum sowie an Futter für Larven bzw. erwachsene Tiere. Sollen gezielt Schädlinge wie z. B. Blattläuse in einem vertretbaren Rahmen gehalten werden, lohnt es sich, die Gegenspieler näher anzuschauen und deren Bedürfnisse zu erfüllen. Bei den Nützlingen gibt es hochspezialisierte Arten als auch solche mit einem breiten Beutespektrum, die zugleich weniger Ansprüche an ihr Umfeld stellen.
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Wichtige und häufige Nützlingsgruppen im Blühstreifen
| Nützlingsart | Besonderheiten | Nutzen | Bedürfnisse |
| Schwebfliegen | Fast 500 Arten in Deutschland, oft Mimikry (imitieren gefährliche Insekten), Schwirrflug auf der Stelle. | Die Larven vieler Arten fressen vor allem Blattläuse. Dabei sind sie sehr effektiv. | Die adulten Tiere ernähren sich von Nektar und Pollen. Dazu brauchen sie offene Blüten wie Dill, Karotten und Koriander. |
| Marienkäfer | Sehr artenreiche und bunte Käfergruppe. | Von vielen Arten essen Larven und erwachsene Käfer Schädlinge. Zum Teil auch Pollen und Pilzsporen. | Blattläuse und anderes Futter sowie Überwinterungsmöglichkeiten. |
| Florfliegen | Erwachsene Tiere haben schöne goldene Augen. Die Larven kräftige Mundwerkzeuge. | Larven fressen viele Arten von Schädlingen und deren Eier. | Erwachsene Tiere ernähren sich von Pollen, Nektar und Honigtau und bevorzugen Dolden- und Korbblütler. |
| Schlupfwespen | Sehr artenreiche Gruppe. Zum Teil werden auch andere Familien aufgrund ihrer Lebensweise so bezeichnet. | Die Larven der Schlupfwespen leben durchweg als Parasitoide: Die Weibchen legen ihre Eier in oder auf andere Insekten bzw. deren Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe), in oder an denen sich die Larven entwickeln. | Erwachsene Tiere ernähren sich meist von Pollen, Nektar und Honigtau und bevorzugen Dolden- und Korbblütler. |
Weitere häufige Nützlinge, die sich im Blühstreifen wohlfühlen, sind Spinnen, Laufkäfer, Kurzflügelkäfer und viele weitere.
Anlage und Pflege eines Blühstreifen
Standort
Gute Orte für einen Blütenstreifen sind Feldränder entlang von Wegen und Straßen, am Hofladen, auf dem Vorgewende, als Streifen zwischen Obst- und Gemüsekulturen oder als Gründüngung zur Auflockerung der Fruchtfolge.
Meiden sollte man Standorte mit hohem Unkrautdruck (insbesondere Wurzelunkräuter) sowie Standorte mit speziellen Schädlingen (z. B. Möhrenfliegen) oder bestimmten Fruchtfolgeproblemen (Leguminosenmüdigkeit).
Anbau
- Die Blühmischung wird nach einer gründlichen Beikrautregulierung auf ein feinkrümeliges Saatbeet etwa 1-2 cm tief z. B. mit einer Drillmaschine gesät und danach ggf. angewalzt.
- Aussaat: Kleinere Flächen können auch mit der Hand, der Kleegeige oder anderen Kleingeräten ausgesät werden.
- Bei bestimmten Mischungskomponenten und oberflächlicher Aussaat empfiehlt sich eine leichte Einarbeitung: Phacelia beispielsweise ist ein Dunkelkeimer.
- Der Aussaatzeitpunkt ist je nach Gegend Ende April bis Anfang Mai. Je nach Mischung empfiehlt sich auch eine gestaffelte Aussaat. Spätere Aussaaten sind bis Anfang August möglich.
- Ist es nach der Saat sehr trocken, sollte zum Auflauf beregnet werden.
- Bei sehr starkem Beikrautdruck empfiehlt sich 4-6 Wochen nach der Aussaat ein Pflegeschnitt.
Standzeit
Aus Sicht des Naturschutzes sollte eine Blühmischung solange wie möglich stehen, möglichst sogar über den Winter, da sie vielen Arten einen willkommenen Überwinterungsschutz bietet.
Vor dem Umbruch sollte die Mischung geschlegelt und flach bearbeitet werden, damit ausgefallenes Saatgut aufläuft und die Gefahr von Durchwuchs minimiert wird.
Planung und Umfeld
Blühstreifen sollten wie jede andere Kultur gut geplant werden. Wichtige Kriterien für die Auswahl sind die geplante Standzeit, der Standort sowie die geplante Nützlingsförderung. Sollen sie vor allem der Förderung bestimmter Nützlinge dienen, werden sie in Beeten direkt zur Kultur gesät. Dafür wird jedes achte oder zehnte Beet als Blühstreifen angelegt. Da nicht alle Nützlinge über lange Strecken ausreichend mobil sind, können auch zwischen die Kulturpflanzen einzelne Blumen als Trittsteine bzw. Lockinseln gepflanzt werden.
Für eine möglichst große Vielfalt innerhalb des Betriebes sollten die einjährigen Blühstreifen mit anderen Maßnahmen wie Beispielsweise Hecken, mehrjährigen Blühstreifen, Stauden-Dauerbeeten am Hof oder Totholz kombiniert werden. Auch blühende Gründüngungen und blühendes Gemüse erhöhen die Vielfalt. So sind an blühendem Kohl viele Schlupfwespen zu finden, die Schädlinge im Kohl parasitieren. Schön und mit wenig Aufwand blühen z. B. überwinterter Grünkohl oder Red Russian Kale im Frühjahr. Je größer die Vielfalt im Ökosystem, desto besser seine Resilienz, was sich auch auf das Gedeihen unserer Gemüse-Monokulturen auswirkt.
Bewährte Mischungen und Pflanzen
Für sehr kurze Standzeiten haben sich schnell blühende Arten wie Phacelia oder Buchweizen bewährt. Auch können Dill und Koriander nach der Ernte als Blattware zum Blühen stehen gelassen werden. Durch die offenen Blüten sind sie für viele Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen sehr attraktiv. Für Blühstreifen zwischen Gemüsekulturen haben sich Mischungen wie die Blühstreifenmischung (D490) oder das Nützlingsparadies (B623) bewährt. Speziell für den Kohl ist die Hannover-Mischung (D524) zu empfehlen. Je nach Einsatzart oder Standort können weitere Arten eingemischt bzw. eigene Mischungen zusammengestellt werden. Wichtig bei der Nützlingsförderung ist gute Planung und Vorbereitung sowie Vielfalt und lange Blütezeiten. Wer sich hier gut reinfindet, bekommt neben bunteren Äckern auch ein entspannteres Gärtnern, bei dem die Nützlinge vieles erledigen.






